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Ackerwildkräuter zogen immer schon die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. Als unerwünschte Unkräuter, als willkommene Heilkräuter oder als bunte Bereicherung der Feldflur. Weniger bekannt ist, dass die Heimat dieser Arten in den meisten Fällen nicht in Mitteleuropa, sondern im persischen Raum und den Mittelmeerländern liegt. Es sind sogenannte Archäophyten, also Pflanzen, welche mit den Wanderzügen des Menschen ihr ursprüngliches Areal vergrößern konnten. Das bedeutet aber auch, dass sie in der Regel nicht ursprünglich heimisch bei uns sind. Und es bedeutet auch, dass sich die Segetalflora (so werden die Ackerwildkräuter wissenschatftlich genannt) ständig in Abhängigkeit der Landnutzung ändert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die angebauten Kulturpflanzen, aber auch die Art der Bodenbearbeitung und der Möglichkeiten zur Bekämpfung. Vor einigen Jahrzehnten war die Notwendigkeit, unerwünschte Kräuter (Un-Kräuter) einzudämmen mit viel manueller Arbeit und vielen Arbeitskräften verbunden. Natürlich war den Pflanzen damit nicht viel anzuhaben, so dass die Felder bunt und schön waren. Es war einmal…. Inzwischen kann dies rationell mit großen Maschinen und Petiziden in kurzer Zeit erledigt werden. In der Landwirtschaft spricht man von „effektivem Pflanzenschutz“. Von den Schönheiten ist nicht viel geblieben. Durch neue Nutzungsformen und globalem Handel kommen neue Pflanzen zu uns, so hat sich die floristische Zusammensetzung der Segetalflora in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Der massive Maisanbau fördert indirekt die Lebenschancen für subtropische Gräser, so sind inzwischen verschiedene neue Grasarten bei uns stark verbreitet: Hühnenhirse, mehrere Borsten- und Fingerhirsen sind allgegenwärtig. Viele Arten der neuen Welt können sich durch vermehrte Ausbringung von Blühmischungen neu etablieren: Knopfkräuter aus Südamerika, Traubenkräuter (Ambrosia) – nicht gerade gesundheitsförderlich, Gänsefuß- und Amarantarten aus Nordamerika entwickeln sich oft zu Massenvorkommen. Bestand hat also auch hier nur der Wandel. Wir werden die historischen und aktuellen Aspekte der Ackerbegleitflora näher betrachten, einige Arten genau unter die Lupe nehmen und so mache auch bestimmen. Eine Exkursion zur Erhaltungskultur im Freigelände des Botanischen Gartens mit vielen seltenen Ackerwildkräutern rundet den Kurs ab.
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